GRABEN Erhard Scherner - Erinnerungen

Infos

Deutschland 2022
Sprache(OF): deutsch
Regie: Sven Boeck
Drehbuch: Sven Boeck
Kamera: Sven Boeck, Volkmar Kochan
Schnitt: Sven Boeck
79 min
FSK 0

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Erhard Scherner ist Germanist und Lyriker. Als “ Berufsrevolutionär“ – so nennt er sich selber – arbeitete er im Kulturbereich der DDR. Er opferte sein Leben einem Traum und war ungewollt daran beteiligt, diesen Traum zu zerstören.

Er gräbt für uns in seinen Erinnerungen, diese sind subjektiv, bestimmt verklärend und beleuchten doch viele Momente im Machtapparat der DDR.
Er gehört der „Flakhelfergeneration“ an: 1929 in Berlin geboren, aufgewachsen und indoktriniert im NS-Deutschland, aber zu jung, um große Schuld auf sich zu laden. Das neue System fördert nach dem Krieg das Arbeiterkind, gibt ihm die Möglichkeit eines Studiums (Germanistik bei Hans Mayer in Leipzig, eine Kommilitonin war Christa Wolf).
Nach einem über zweijährigen Aufenthalt in China mit seiner Frau Helga Scherner, die Sinologin war, rettet ihm bei der Rückreise in die DDR ein Papagei sein Leben. Die alten Genossen schenken ihm noch mehr Vertrauen, er darf im Zentralkomitee der DDR bei dem für Kultur zuständigen Alfred Kurella arbeiten. Bald aber verstehen die alten Genossen die Gedichte von Wolf Biermann falsch oder zu gut – ruft er sie nicht gar zum Rücktritt auf? – und Scherner muss zeigen, ob er ihres Vertrauens würdig ist. Dabei geht sein freundschaftliches Verhältnis zu Wolf Biermann in die Brüche.
Die Arbeit Scherners kompromittiert auch seine Kunst. Keine Verheißung währt ewig, Scherner zahlte dafür ein mit Lebenszeit, so wie wir alle im Staat DDR.

Directors Note
"Ein Zufallsfund: Eigentlich recherchierte ich zum Dichter Kuba (Kurt Barthel). Mir fiel das Buch von Erhard Scherner über ihn in die Hände, einem Freund des Dichters.
'Wer ist denn Erhard Scherner?' - , wenig war über ihn zu finden im Netz. Aber via Google dann eine Telefonnummer, nach dem ersten Telefonat war mir klar, dass hier ein Zeitzeuge noch Zeugnis geben kann. 'Der kennt ja fast alle', dachte ich und verabredete mich auf ein Interview mit Bild und Ton, zwei weitere schlossen sich an, und noch ein Gespräch nur mit Ton.
Anfangs sollte es eigentlich kein Film werden, der Wert sind die Transkripte und das Bild eher ein Nebenbei, so die Absicht beim Beginn der Arbeit. Doch dann die vielen Dokumente von Erhard Scherner selbst und von seinem Sohn Hans Scherner zur Verfügung gestellt, tausende Negative, viele Schriftstücke, 8mm-Aufnahmen aus China und dem Familienleben.
Auffällig häufig im Bild das traurige Kind, die Tochter, wie verloren. Ich gab ihr im Film die Stimme, für mich und meine Generation zu sprechen. Denn das was und wie Erhard Scherner erinnert, ist nicht meine Erinnerung, das Glück der Kinder ist ein anderes, so liefert die Stimme des Kindes vielleicht ein Korrektiv, auch in Liebe und im Bewusstsein, dass später auf uns anders gesehen wird, als wir uns selbst erdenken." Sven Boeck

Der Film feirte seine Premiere im Rahmen der Veranstaltung "Ein Abend für und mit ... - Sven Boeck" am 09.03.2023