Territorium der Freiheit

Vorstellung am 16.11.2017

Infos

Russland, Frankreich 2016
Sprache(OF): russisch
Regie: Aleksandr Kuznetsov
80 min

russisch dok #7

Zwei parallele Welten: das städtische Leben mit seinem Strudel an Sitzungen und Demonstrationen und das Leben in der wilden sibirischen Natur, in Hütten auf steilen Felsen, außerhalb vom Staat, nach eigenen Gesetzen. Unsere wichtigste tägliche Freiheit ist die Fähigkeit, die Angst zu überwinden.

Bild Territorium der Freiheit

Territorium der Freiheit

Ein Film über Krasnoyarsker Kletterer, für die «Freiheit» kein hohles Wort ist. Schon mehr als anderthalb Jahrhunderte gehen Menschen in die Wildnis der Taiga, zu den Felsen und erobern mutig die scheinbar uneinnehmbaren Höhen des Naturschutzgebietes «Pfeiler». Die Kletterer sind freie Menschen, die in einem freien Land leben. Unter den Protagonisten des Filmes sind ein Professor, Alpinisten, Kinder, Sänger u.v.a.

Aleksandr Kuznetsovs Dokumentarfilm «Territorium der Freiheit» ist gedreht im Naturschutzpark «Pfeiler», nahe an der Millionenstadt Krasnoyarsk, geht um Menschen dort und ihren Lebensstil — einer einzigartigen soziokulturellen Erscheinung: auf unserem Planeten gibt es genügend Städte nahe an malerischen Bergen und Wäldern, aber nur die Krasnoyarsker vereinigt die Idee der freien, ohne Versicherung und technische Hilfsmittel, Eroberung der Felsen und und ebenso freien Umganges mit Zeit — außerhalb staatlicher Bestimmungen und staatlich gelenkter Gesellschaft. Nur hier haben sie eine Parallelwelt geschaffen mit ihrer Ethik, Leitfiguren, ihrem Sprachgebrauch und Folklore, Traditionen und Bräuchen. Und dieses Land gibt es bereits länger als anderthalb Jahrhunderte.

Es ist das Phänomen der Zivilgesellschaft auf russisch. Auf sibirisch. Wenn sie sich nicht in Städten formiert, sondern in Wäldern, in der undurchdringlichen Wildnis. Wenn engagierte Bürger sehen, dass sich in den Städten, Seite an Seite mit dem Staat nichts ändern lässt, und gehen. In die Taiga, auf die Gipfel, in die fernen blauen Berge. Die Umgebung tut ihnen den Gefallen und lässt sie gehen: geh, lauf, klettere, genieße die Schönheit und Freiheit. Stolbismus (von stolby = Pfeiler) — ist eine Art des gemeinsamen Lebens. Aus den Prinzipien des Stolbismus: «Klettere, wie kompliziert der Felsen auch sein mag, genommen hast du ihn nur dann, wenn du ihn alleine und ohne Hilfsmittel erklommen hast». Eine Methode wählen und auf alles andere verzichten — das ist das wichtigste, was kann es im Leben wichtigeres geben? Es ist ein existenzieller Sprung aus der Selbsttäuschung, und für sehr viele — das wahre Leben, das bessere Leben: alle wissen, dass es besonders sinn- und wertvoll wird, wenn es am seidenen Faden hängt. Es ist besser als Alltag, als Spiele, besser als Religion, verkörpert die Utopie, Wirklichkeit gewordenes Paradies, eine eigene Welt, ähnlich der kindlichen, die geschaffen ist um zu begeistern und zu erfreuen. Das Land der Stolbisten wurde für viele Tausende und viele Generationen zum alter ego des erstickenden Russland ohne Sauerstoff.

ZUR INFORMATION:
Aleksandr Kuznetsov, Autor, Regisseur, Kameramann von «Territorium der Freiheit». Zweimaliger sowjetischer Alpinismus-Meister, Teilnehmer der Krasnoyarsker Everest-Expedition 1996. Fotojournalist, seine Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Russischen Museums, der Harvard-Universität, des Nansen-Museums u.a. Sein erster Dokumentarfilm «Territorium der Liebe» (2010) handelt von einer Tournee des Vokalensembles «Andere» des Tinsker psychoneurologischen Heimes. «Territorium der Freiheit» wurde vom Sibirischen Studio unabhängigen Films gemeinsam mit Petit a petit production (Frankreich) realisiert.

RUSSISCH DOK – nicht-gewerbliches Abspiel – monatlich wechselnd – russische Dokfilme Eintritt 2,50€