The Village (Tskhra Mtas Ikit)
Infos
Georgien 2015
Sprachen(OV): englisch, georgisch
Regie: Levan Tutberidze
Drehbuch: Aka Morchiladze
Darsteller: Crystal Bennett, Mikheil Gomiashvili, Tornike Bziava
112 min
IMDb (english)
Georgian Film. Gegen das Scheitern. | Festival
"Jeder Filmemacher möchte dir etwas mit seinem Film mitteilen" – sagte Levan Tutberidze während unseres Gesprächs mit ihm beim Treffen in Tbilissi.
Poetische Berglandschaften des Kaukasus sind ein magisches Setting für das menschliche Beziehungsdrama, das der Filmemacher uns zeigt.
The Village ist hier, wie der originalgeorgische Titel es sprichwörtlich zur Bedeutung bringt, ein Ort „Hinter neun Bergen“ (9 Mtas Ikit), ein symbolischer Märchenort, ein Nichtort, der in Wirklichkeit kaum zu erreichen ist und wo nichts ist, wie es scheint.
Entsprechend geschieht es auch der bildhübschen jungen Hauptprotagonistin, die auf der Suche nach dem wahren Märchenprinzen sich irrt und die Träume von der Wirklichkeit kaum zu unterscheiden vermag.
Levan Tutberidze, ein georgischer Jim Jarmusch, erzählt uns in wunderschöner Bildersprache und mit großer Liebe zu seinen Protagonistinnen, dass die Suche es immer wert ist und sogar Irrwege Wege sind, besonders in den majestätisch märchenhaften kaukasischen Bergen.
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Für diese Retrospektive haben wir eine Auswahl von Spielfilmen des georgischen Regisseurs Levan Tutberidze zusammengestellt sowie Dokumentarfilme, die Arbeiten einer jüngeren Generation georgischer Filmschaffender repräsentieren: Tekla Aslanishvili, Andro Dadiani, Saba Dolikashvili und Dominik Gasser aus Deutschland. Obwohl sie unterschiedlichen Genres angehören und aus verschiedenen Zeiten stammen, beschäftigen sich sowohl die Spielfilme als auch die Dokumentarfilme mit Gesellschaften im Kaukasus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der historische Hintergrund spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im Fokus stehen Bevölkerungen in Krisensituationen, traumatisiert durch militärische Konflikte in der Region Bergkarabach sowie durch die Kriege in Abchasien und Ossetien, die zu Hunderttausenden von Binnenvertriebenen auf den Territorien Georgiens und des Kaukasus führten. Hinzu kommen die langfristigen Folgen dieser Konflikte: wirtschaftliche Instabilität, korrupte Regierungen, Wellen des Nationalismus in den ehemaligen Sowjetrepubliken, massive Arbeitslosigkeit und ideologisch stark polarisierte Gesellschaften. Sowohl in den Spielfilmen als auch in den Dokumentarfilmen wird der Kaukasus – mit seiner majestätischen Natur und der beeindruckenden Vielfalt der dort lebenden Völker – einer kritischen Betrachtung unterzogen.
Der vereinte, friedliche Kaukasus, wie ihn die Avantgarde-Filmemacher*innen der 1920er Jahre mit ihrer utopischen Idee einer „Einheit in der Vielfalt“ imaginierten, erwies sich als gescheitertes Projekt, wie die bis heute andauernden Konflikt in der Region Bergkarabach tragisch belegen. Der Kaukasus selbst – mit seinen malerischen Küstenlandschaften und atemberaubenden Bergpanoramen, etwa in Levan Tutberidzes Filmen Moira und Die Reise nach Karabach – wird zu einem der zentralen Protagonisten sowohl der Spielfilme als auch der Dokumentararbeiten. Im Kern geht es in ausgewählten Kinofilmen darum, wie geopolitische Machtkämpfe um Einflusszonen in dieser kleinen, aber strategisch äußerst wichtigen Region an der Schnittstelle zwischen dem sogenannten Osten und Westen menschliche Lebenswege deformiert und zerstört haben.
1916 realisierte Aleksandre Tsutsunava mit Kristine den ersten georgischen Spielfilm.
1956 gewann Magdanas Esel, ein Kurzfilm von Tengiz Abuladze und Revaz Chkheidze, die Goldene Palme für den besten Kurzfilm in Cannes. Im selben Jahr erhielt auch Michail Kalatosows Die Kraniche ziehen die Goldene Palme für den besten Film – ein Erfolg, der in die Phase der Kritik am Stalin-Kult fiel.
1987 wurde Tengiz Abuladzes Monanieba (Reue) in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet – als filmische Auseinandersetzung mit dem stalinistischen Totalitarismus während der Perestroika.
1988 fand im Centre Pompidou in Paris eine umfangreiche Retrospektive des georgischen Films statt, die mit Sergej Paradschanows Ashugh Qarib (Der Spielmann) eröffnet wurde und sich über drei Monate erstreckte.
Dies ist nun die dritte georgische Filmretrospektive, die bislang in Deutschland stattfindet. Die erste wurde 2015 von mir in der Werkstatt der Kulturen in Berlin organisiert, gefolgt von einer Retrospektive mit Schwerpunkt auf Frauen im georgischen Film in Stuttgart, die ich in Kooperation mit dem Theater am Olgaeck kuratiert habe. Während der politische Lage im Kaukasus ständig eskaliert und die globalisierte Welt von einer Krise in die nächste rast, bietet sich zeitgenössischen Filmschaffenden reichlich Stoff für filmische Auseinandersetzungen mit dem Ganzen. Für die Filmindustrie selbst könnte dies eine Überlebenschance inmitten der schwersten Krise ihrer Geschichte, ausgelöst durch die digitalen Revolutionen, sein. Zwar lässt sich nicht behaupten, dass Film die Welt vor Kriegen, Korruption oder Armut retten kann – doch die visuelle Intensität des bewegten Bildes vermag eine emotionale Wirkung zu entfalten, die das Bewusstsein der Zuschauer:innen schärft und ihnen ihre eigene Handlungsfähigkeit vor Augen führt. Und genau darin liegt vielleicht eine Chance gegen das Scheitern.
Text. Dr. Lily Fürstenow
Plot: Amy, a young British girl travels to Caucasus Georgia in the hope of saving her doomed relationship with her boyfriend, only to pit her fiery brand of idealism against a mountain village and their mysterious local myth.

