Der Minusmann – die Doku

Vorstellung am 05.09.2019

Infos

Österreich 2018
Regie: Alban Bekic, Sladjana Krsteska
65 min

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IMDb (english)

AG Dok präsentiert: Unentdeckte Perlen

Ab September 2019 präsentiert die Regionalgruppe Berlin/Brandenburg der AG DOK

Unentdeckte Perlen

Immer mehr Dokumentarfilme werden gedreht, immer weniger sind – trotz des Dokfilm-Booms – im Kino zu sehen. Viele davon hätten mehr Publikum verdient.
Daher wollen wir einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, unentdeckte Perlen wenigstens einmal zu präsentieren, ihnen Publikum zu verschaffen.
In Zusammenarbeit mit dem ACUDkino präsentieren wir jeden 1. Donnerstag im Monat einen besonderen Dokfilm. Im September ist das

Der Minusmann – die Doku von Sladjana Krsteska und Alban Bekic

Mit flüsternd­hauchender Stimme, gezeichnet von der Krebserkrankung, erzählt der charismati­sche, mittlerweile verstorbene Heinz Sobota von sei­ner Vergangenheit als Zuhälter im Wiener Rotlicht­milieu.
Im Wechsel lassen Alban Bekic und Sladjana Krsteska nicht nur den Luden selbst, sondern vor allem vier Frauen zu Wort kommen, die unterschied­liche Wege und Reflexionsebenen gefunden haben, um auf ihre Lebensabschnitte mit Sobota zurückzu­blicken.
Während die Ehefrau nur fürsorgliche Worte für jenen Mann findet, der Ende der 1970er­ Jahre mit seiner Biografie „Der Minus-Mann“ bekannt wurde, verdichten sich die Schilderungen seiner Exfrau und zweier Exfreundinnen zu einem zutiefst verstörenden Bild einer aggressiven, bisweilen tyrannischen Per­sönlichkeit, die ihre Anziehungskraft auf das andere Geschlecht gezielt manipulativ einzusetzen wusste.
(Diagonale-Katalog 2018, Jana Koch)

Ein Regie-Duo begleitete den "Minusmann" acht Jahre lang, Premiere hatte der Film im März 2018 bei der Diagonale.

Die Chronologie von Heinz Sobotas Scheitern: Mit zwölf Jahren war er Räuber und Dieb, mit 16 Zuhälter, kurz später ein verhinderter Mörder (er schlug auf den verhassten Vater mit einem Fleischhammer ein). Sobota war ein Machtmensch, seine (diagnostizierte!) Empathieunfähigkeit ließ auch in Regisseurin Sladjana Krsteska "einige Male den Horror aufsteigen". Bei einem Treffen gab der damals bereits schwer vom Krebs gezeichnete Sobota zu: "Wenn Sie hier neben mir verrecken würden, löst das nichts in mir aus. Ich bin nicht in der Lage, Mitleid zu fühlen." Nach insgesamt zehn Jahren Gefängnis verbrachte er seine letzten Lebensjahre zurückgezogen in München.

"Er ist Totschläger. Zuhälter. Dieb und Nutten-Abrichter. Er ist hasserfüllt, suchtkrank und aggressiv gegen sich, andere, alles um ihn. Heinz Sobota, Jahrgang 1944, ist Kind des Nachkriegsmiefs und sucht sich mit Gewalt seinen Platz in der Gesellschaft. Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger begegnen wir ihm an seinem totesten Punkt. Die Hälfte seines Daseins hat er im Gefängnis verbracht und überall wo er in „Freiheit“ hinkommt, schmeckt das Leben nach Zelle, nach dem nackten Drang zu überleben. Als er frisch entlassen und ohne Geld eine Zufallsbekanntschaft brutal vergewaltigt und „strich-reif“ prügelt, beginnt eine Reise, die gleichzeitig in seine Vergangenheit, zu den Stationen seiner Verrohung führt, wie auch in die Zukunft, wo er sich langsam durch das Schreiben seiner Biographie von Milieu, Alkohol, von seiner Hassliebe zu den Frauen zu befreien beginnt. Eine Reise durch die österreichische Zeitgeschichte mit den Augen eines pathologischen Täters und Einzelgängers." Ulrich Seidl


Plot: Four women who have found different levels of reflection to look back at the chapters of their lives that they spent with Heinz Sobota, a former austrian pimp and bestseller author in the 1970ies.