The Good German

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Vorstellungen vom 05.04.2007 bis zum 18.04.2007.

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Ein amerikanischer Journalist soll nach dem Zweiten Weltkrieg über die Potsdamer Konferenz berichten. Der eigentliche Grund, aus dem er diesen Job angenommen hat, ist die Suche nach seiner verschollenen Geliebten. Doch kurz nachdem er angekommen ist, wird er in einen Mordfall hineingezogen, den die Aliierten gerne unter den Teppich kehren würden

Steven Soderberghs „The Good German“ ist die Verfilmung des Romans „In den Ruinen von Berlin“ von Joseph Kanon: ein undurchschaubarer romantischer Thriller in der Tradition des klassischen Film noir. Intime menschliche Schicksale entfalten sich vor den turbulenten, weltpolitischen Intrigen. Der Film spielt nicht nur im Jahr 1945, sondern wurde auch mit der Kameratechnik der damaligen Zeit gedreht – ein zeitnahes Thema kombiniert mit der unverwechselbaren Atmosphäre und dem Filmstil, der die Fantasie der Nachkriegszuschauer anregte.

"Jake Geismar begibt sich direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Berlin, um über die Konferenz in Potsdam zu berichten. Sein Fahrer Tully macht nicht nur Geschäfte mit russischen und amerikanischen Soldaten, sondern hat noch eine Affäre mit Lena Brandt, mit der auch Jake schon vor dem Krieg mehr als nur die Arbeit verband. Doch nun steckt Lena gewaltig in der Klemme: Jemand sucht ziemlich vehement nach ihrem Mann, dem Sekretär Emil Brandt, der jedoch im Bombenhagel starb. Als Tully ermordet wird, gerät auch Jake in Schwierigkeiten. Trotzdem versucht er, seiner alten Liebe zu helfen und gerät dabei in ein Ränke- und Intrigenspiel zwischen den Siegermächten. Auch sein alter Freund Bernie scheint ein doppeltes Spiel zu führen. Nur der Barkeeper Danny steht Jake und Lena noch zur Seite. Aber je tiefer Jake gräbt, auf desto mehr Rätsel stößt er. Auch Lenas Verhalten wird täglich unerklärbarer…


„The Good German“ kann als dicht gestrickte Detektivgeschichte überzeugen. Schon die erste Einstellung, das Verleiherlogo von Warner, wirkt dank Schwarz-Weiß-Darstellung und altem Design wie die Polizeimarke aus einem Cartoonremake. Soderbergh ist ja bekannt für seine komplexen Geschichten - und auch hier macht er seinem Namen alle Ehre. Tatsächlich bietet der Film zwei Stunden gutes Intrigenspiel quer durch alle Fronten, bei dem aber auch wirklich fast jeder Statist Hauptdarsteller George Clooney mal so richtig eine langen darf. Der smarte Beau muss ganz schön einstecken und macht auch dabei eine gute Figur. Stimmig liefert er sein Bild vom Berlin-Rückkehrer Jake, der die Dinge einfach nicht auf sich beruhen lassen kann, sondern die Wahrheit um jeden Preis herausfinden will - auch wenn er dabei Schlimmes über alte Bekannte erfährt. Einziges Manko: Seine deutschen Textzeilen bringt er nur plump als auswendig gelernt herüber.


Ganz anders Cate Blanchett (Herr der Ringe - Die Gefährten, Babel, Aviator). Ihr Deutsch klingt flüssig und natürlich. Das verdankt sie nach eigener Aussage Co-Darsteller Christian Oliver, mit dem sie auch übte, die Szenen auf Deutsch zu improvisieren. Überhaupt scheint sie sich im Konzept von „The Good German“ pudelwohl zu fühlen. Mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung, die auf eine stoische Marlene Dietrich und eine verzweifelte Ingrid Bergman zurückzugehen scheint, krönt sie ihren Auftritt und erweckt nuanciert die Emotionen der Femme Fatale Lena Brandt zum Leben. Neben ihr wirkt Tobey Magiure (Spider-Man, Gottes Werk und Teufels Beitrag, Wonder Boys) irgendwie deplatziert mit seiner kindlichen Stimme und den leicht linkischen Bewegungen. Dennoch stellt sein Charakter Tully eine Bereicherung für den Film dar.


Soderbergh mischt an mehreren Stellen Dokumentaraufnahmen unter seinen fiktiven Plot, um eine intensivere Grundstimmung zu erzeugen und porträtiert das zerstörte Berlin. Vor allem handwerklich macht „The Good German“ ordentlich was her: Nicht nur die Entscheidung, die Kameras selbst der Zeit anzupassen, sondern vor allem die Beleuchtung des Films leisten einen entscheidenden Beitrag zur Ausgestaltung der Stimmung. Dank der Arbeit der Beleuchter bleiben Gesichter markant im Dunkeln verhüllt, Schatten spielen in der Mimik der Protagonisten, Räume werden pointiert in einem unnatürlichen Licht ausgeleuchtet, und Cate Blanchett erhält einen memorablen ersten Auftritt, bei dem sie symbolisch quasi aus den Schatten heraus steigt. Komponist Thomas Newman findet dieses durch die Inszenierung ausgestaltete Feeling des Films und bringt es in einem sehr emotionalen Score unter, der die richtige Untermalung für alle Szenen liefert.


Nach einem spannenden Start flacht „The Good German“ jedoch merklich ab. Jeder Zuschauer, der sich schon mal Casablanca angesehen hat, wird zunehmende Ähnlichkeiten in Figuren und Plotstruktur ausfindig machen können. Leider mangelt es dem Buch von Joseph Kanon in dieser Hinsicht etwas an Originalität. Die komplexen Konstellationen der Charaktere, allen voran die schicksalshaften Männer-Beziehungen, die Lena Brandt um sich herum herstellt, dominieren den Film. Dennoch versucht sich Soderbergh auch an einem offenen Dialog über die Frage der Kollektivschuld der Deutschen an der Judenvernichtung ab 1933. Dieser interessante Versuch wird aber zum Nebenstrang der Handlung deklassiert, in welchem aber allen möglichen Ansichten zwischen Jakes anfänglicher Gesamtablehnung der Deutschen und Tullys „Die Situation liegt nun mal so, wir können nicht alle verurteilen und eigentlich sind sie auch ganz nett“-Mentalität eine Möglichkeit zur Argumentation gibt, ohne dies jedoch am Ende zu bilanzieren oder eine Art von Aufarbeitung zu vollziehen.


Stattdessen zeigt der Film kleine Einzelschicksale, räumt moralischen Bedenken über das Vorgehen der Alliierten in Bezug auf die Behandlung der Nazi-Wissenschaftler ein und beantwortet die Fragen, die sich amerikanische Soldaten im täglichen praktischen Umgang mit den Berlinern wohl gestellt haben müssen und integriert sie in die Detektivgeschichte. Besonders aufgrund der Inszenierung und technischen Ausgestaltung ist der Film von Steven Soderbergh als spannender Thriller im Film-Noire-Setting sehenswert - und nicht zuletzt wegen einer zu Topform auflaufenden Cate Blanchett." / filmstarts.de

USA 2006, 109 min., R: Steven Soderbergh, mit George Clooney, Cate Blanchett, Tobey Maguire, Robin Weigert, Beau Bridges u.a.