Syriana

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Vorstellungen vom 27.04.2006 bis zum 17.05.2006.

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Der langjährige CIA Agent und Terrorismusexperte Robert Baer muss mit Erschrecken feststellen, dass die CIA trotz wachsender Terrorgefahr seine Budgets kürzt. Gleichzeitig wiederfährt dem Öl-Makler Bryan Woodman und seiner Frau Julie eine familiäre Tragödie, durch die er sich mit dem idealistischen persischen Prizen Nasir anfreundet. Außerdem wird der Anwalt Bennett Holiday von Gewissensbissen geplagt, nachdem er die fragwürdige Fusion zweier Öl-Konzerne einfädelte.


Wer Action oder atemberaubende Spannung erwartet ist bei diesem Film falsch. Syriana ist ein anspruchsvoller Politthriller mit Starbesetzung der zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Es geht um die machtpolitischen Spiele im weltweiten Ölhandel mit Hauptaugenmerk auf die USA. Ein Film, der seinen Zuschauern einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, um den Handlungssträngen und den Verwicklungen folgen zu können.

Stephen Gaghan, der sowohl das Drehbuch schrieb als auch die Regie bei Syriana führte, hat es sich wahrlich nicht leicht gemacht. Über den gesamten Film lässt er mehrere Handlungsstränge gleichzeitig laufen, die sich mal mehr, mal weniger berühren. Dabei versucht Gaghan seinen Figuren auch menschliche Züge anzueignen, was ihm nicht immer einwandfrei gelingt. So zeigt er immer wieder kurze Szenen aus dem Privatleben der Charaktere: Anwalt Bennett Holiday ärgert sich zuhause mit seinem Vater herum, CIA-Agent Bob Barnes trifft sich mit seinem Sohn und Wirtschaftsexperte Bryan Woodman ist das Geschäftliche plötzlich wichtiger als die Familie. Da für jede dieser Personen aber nur sehr wenig Zeit verwendet wird, bleibt die Charakterisierung doch etwas oberflächlich. Die einzelnen Geschichten sind aber jede für sich so interessant, dass sie diesen kleinen Mangel locker kompensieren.

Der Streifen hat jede Menge Top-Schauspieler zu bieten. Natürlich werden immer zuerst George Clooney und Matt Damon als die beiden Bekanntesten genannt, aber auch der Rest der Besetzung hat viel zu bieten. Clooney könnte einer der großen Abräumer bei der diesjährigen Oscarverleihung werden, denn er erhielt sowohl für seine Rolle in Syriana, als auch für seine Regiearbeit bei dem von Kritikern umjubelten Film Good Night, and Good Luck, der auch als bester Film Chance auf eine Auszeichnung hat, eine Oscarnominierung. Vor allem überzeugen in Syriana aber die arabischen Darsteller, allen voran Alexander Siddig als Prinz Nasir und Mazhar Munir als Wasim. Matt Damon und Jeffrey Wright bleiben dagegen ein klein wenig blass.

In diesem Streifen geht es um Öl, Macht und vor allem um viel Geld. Es geht um eine Branche, in der der Einzelne scheinbar nichts mehr zählt. Ein Thema das absolut aktuell ist und das die Welt auch in den nächsten Jahren mehr und mehr beschäftigen wird. Wer sich bereits mit Traffic, zu dem Stephen Gaghan das Drehbuch schrieb, schwer tat, dem wird auch dieser Streifen nicht unbedingt gefallen. Syriana ist ein unbequemer Film. Er stellt die Zuschauer nicht vor vollendete Tatsachen und lässt sie ernsthaft über das Thema nachdenken. Spannend ist er dabei nicht immer, aber er liefert zwei Stunden Diskussionsstoff. Zudem hat der Film viele klasse Schauspieler zu bieten, die aber leider etwas zu wenig Zeit haben ihre Charaktere richtig zu entwickeln. Im Ganzen gesehen ist der Streifen aber ein guter Politthriller, der ein erschreckendes Bild von den Machenschaften der Ölindustrie zeichnet. Zum Schluss noch eine kleine Aufklärung in Sachen Filmtitel: Das Wort Syriana beschreibt einen Wunschtraum der USA. Ein von Amerika kontrolliertes Ölfördergebiet bestehend aus Syrien, dem Irak und den Iran.



von Toni Straßer

USA 2005, 128 Min., R: Stephen Gaghan, Mit: Matt Damon, George Clooney, Jeffrey Wright u.a.