Paradies: Hoffnung

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Vorstellungen vom 13.06.2013 bis zum 03.07.2013.

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Eine jugendliche Liebe im Zeichen körperlicher Disziplinierung

"Den Abschluss von Ulrich Seidls Ausnahme-Trilogie bilden die Erlebnisse eines Sommers von Melanie, Tochter und Nichte der Protagonistinnen aus den ersten Teilen. Sie wird von ihnen in ein Diätcamp für Jugendliche abgeschoben und verliebt sich unglücklich in einen wesentlich älteren Arzt.
Erneut gelingt es Seidl auf kunstvolle Weise die Machtmechanismen und Begehrensstrukturen von Institutionen und der Gesellschaft, die sie hervorbringen visuell hervorragend auszustellen. Diesmal mit einem Funken Hoffnung.

In „Hoffnung“ nun, wird schon durch das Setting allein die ganze Schwere der Disziplinarmacht spürbar, die in ähnlicher Form wohl auch die Elterngeneration hervorgebracht hat: Das Diätcamp, in welches Melanie abkommandiert wird, befindet sich in einem alten Internatsgebäude, dessen massives Gemäuer wie geschaffen dafür scheint, um aufkeimende dissidente Selbstentwürfe einfach unter sich zu begraben.
Zucht und Ordnung ist hier die Maxime und sie wird lustvoll vertreten von deren Abgesandten, wie dem gnadenlosen Sport-Trainer und dessen anorektischer Assistentin, welche die Jugendlichen vermessen und bewerten, sich aufreihen lassen und durchnumerieren.

Das erzwungene Traben der Kinder im Kreis erinnert an Haftbilder von Kubricks „Uhrwerk Orange“ oder auch van Goghs Studien zum Exerzieren in Gefängnishöfen von Saint-Rémy.

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Seidl inszeniert seine Charaktere in „Paradies: Hoffnung“ mit viel mehr Nachsicht und Leichtigkeit, als in den ersten beiden Teilen.
Vielleicht auch aus Respekt vor den brilliant besetzten Jungdarstellern, überschreitet er gewisse Grenzen nicht, die man durchaus von ihm gewohnt ist, was allerdings auch sehr gut in das inszenatorische Gesamtkonzept passt, das hier erneut eine gelungene Verwobenheit mit den anderen Teilen erreicht - einerseits auf einer konkreten, narrativen Ebene, wenn Melanie immer wieder vergeblich versucht ihre Mutter in Kenia auf dem Handy zu erreichen, andererseits auf einer affektiven kompositorischen Ebene von Bildanalogien, welche die Übertragung der Sehnsucht und Verletzung von den Eltern auf die Kinder spürbar werden lässt.

Doch im Gegensatz zu ihrer Elterngeneration lässt sich Melanie trotz dieser Enttäuschung nicht bezwingen, es bleiben ihr die Räume der Subversion, es bleibt Hoffnung." programmkino.de

A/D/F 2012, 91min, FSK: 12, R: Ulrich Seidl, mit Melanie Lenz, Joseph Lorenz, Verena Lehbauer u.a.