Massaker

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Vorstellungen vom 12.10.2006 bis zum 25.10.2006.

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Kinoerstaufführung

Ein aufwühlender Dokumentarfilm über politisch motivierten Mord und das Phänomen der kollektiven Gewalt
Während des libanesischen Bürgerkrieges wüteten im September 1982 während drei Tagen christliche Marroniten im Westbeiruter Armenviertel Sabra und dem UNRWA Flüchtlingslager Shatila. Am Ende hatten sie mehrere tausend palästinensische Zivilisten ermordet, zumeist Frauen, Kinder und alte Menschen. Die Täter stammten vor allem aus den Reihen der «Forces Libanaises», der mit Israel verbündeten christlichen Miliz. Für die Logistik des Massakers sorgte die israelische Armee.

Damals erschütterte das Massaker die Weltöffentlichkeit, heute ist es (fast) vergessen. Dabei war es exemplarisch für all die Massaker, die folgten: zum Beispiel in Ruanda oder in den jugoslawischen Kriegen. Immer wieder tauchen die unbeantworteten Fragen auf: Was treibt Menschen zu derartigen Exzessen von Grausamkeit, und wie können die Täter weiterleben?

Massaker ist inhaltlich wie ästhetisch eine psychopolitische Studie über sechs Täter, die sowohl auf Befehl wie auch aus eigenem Antrieb am Massaker von Sabra und Shatila teilgenommen haben. Der Film verknüpft die psychischen Dispositionen der Täter mit ihrem politischen Umfeld und nähert sich über ihre Erzählungen auch dem Phänomen der kollektiven Gewalt.
Ohne das Massaker wirklich rekonstruieren zu wollen, zeigt Massaker durch die ineinander verschlungenen Erzählungen der sechs Protagonisten eine bislang unveröffentlichte Version des Massakers: die der Täter.

Im Libanon gilt das Massaker von Sabra und Shatila – wie auch alle anderen Massaker, die während des sechzehnjährigen „Bürgerkriegs“ verübt wurden – bis heute als Tabu. Niemand wurde zur Verantwortung gezogen, im Gegenteil: 1991 beschloss das libanesische Parlament ein Amnestiegesetz für alle während des Bürgerkriegs begangenen Verbrechen.

Massaker insistiert auf Wahrhaftigkeit, nicht auf Anklage, Belehrung oder Kommentar. Die Entscheidung, ausschließlich die Täter zu Wort kommen zu lassen, mag angreifbar sein, ihre Erzählungen sind es nicht.

Auszeichnungen: FIPRESCI Preis Berlinale 2005, Prix SRG SSR idée suisse Visions Du Réel Nyon 2005, Lobende Erwähnung FID Marseille 2005, Lobende Erwähnung Denver International Film Festival 2005, Preis für den besten investigativen Dokumentarfilm Lissabon 2005, 39. US International Film und Video Festival, Second Place "Silver Screen Award 2006"

D/F/Libanon/CH 2004, 98 Min. OmU, B+R: Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen