Drei Räume der Melancholie

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Vorstellungen vom 24.03.2005 bis zum 13.04.2005.

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Kinoerstaufführung!!!

Russland, Tschetschenien, Inguschetien - drei Schauplätze des Tschetschenienkriegs. Für die renommierte Finnische Filmemacherin Pirjo Honkasalo drei Räume der Melancholie.
Im Mittelpunkt stehen Kinder, unschuldige Opfer der jahrelangen Unfähigkeit der politisch Mächtigen den Krieg zu beenden. Das Resultat ist eine Generation von Kindern ohne Hoffnung und Zukunft, deren Prägung und Erziehung den Hass auf den vermeintlichen Feind fest in ihrem Gedankengut verankert hat. Eine Kindheit zwischen Gewalt und Tod.

Ein erschütternder Film, der in teilweise elegischen Bildern über die Verletzbarkeit kindlicher Seelen und den Horror des Krieges in Tschetschenien erzählt.
Die Dreharbeiten gestalteten sich als äußerst schwierig, obwohl in der Vorbereitung des Projektes erst einmal alles glatt zu gehen schien. Der Kommandant der Kadettenschule Kronburg gab sich erstaunlich kooperativ und erteilte anstandslos eine Drehgenehmigung. Auch die Behörden in Tschetschenien und Inguschetien waren zuerst bereit das Filmvorhaben zu unterstützen. Doch dann kam der 11. September und die zuvor angebotene Kooperation schlug ins Gegenteil um. Das weltweite Anti-Terror-Bündnis gegen Al-Quaida verlangte einen internationalen Schulterschluss und um Präsident Putin ins Boot zu holen ließ ihm die internationale Staatengemeinschaft in Tschetschenien freie Hand und ignorierte die dort unter dem Mantel der Terrorismusbekämpfung begangenen eklatanten Menschenrechtsverletzungen. Was man also am wenigsten benötigte, war ein ausländisches Filmteam das in der Kriegsregion bei dem ohnehin schon heiklen Thema einfach frei drauflosfilmen konnte. Die Genehmigungen wurden wieder zurückgezogen. Pirjo Honkasalo machte sich also ohne Genehmigung und Vorabsprachen auf den Weg und drehte unter großem Sicherheitsrisiko vor Ort mit kleinen Digitalkameras unbemerkt von offizieller Seite.

The 3 Rooms of Melancholia hat beim International Documentary Filmfestival Amsterdam den Amnesty International-DOEN Award erhalten und wurde beim Copenhagen International Documentary Film Festival mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Eine besondere Brisanz bekam der Film auf der 61. Film-Bienale in Venedig, als die Aktualität der Ereignisse des Tschetschenienkrieges und ihre dokumentarische Reflexion eine unfreiwillige Allianz bildeten. Der Film lief gleichzeitig mit der blutigen Geiselnahme in der Grundschule von Beslan. The 3 Rooms of Melancholia erhielt in Venedig den Human Rights Film Network Award und den Lina Mangiacapre Award. Der Tagesspiegel in Berlin schrieb, der Film „drängt einem keinerlei Erkenntnis oder Botschaft auf, er zeigt nur. Und damit wirkt er mehr als alle gut gemeinten Politspielfilme des Festivals.“

FIN/ S/ DK 2004, Dokumentation, 106 Min., R: Pirjo Honkasalo