Der irrationale Rest

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Vorstellungen vom 15.11.2005 bis zum 07.12.2005.

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Alles ändert sich, als Suses Freund Matthias mit ihrer besten Freundin Susanne aus der DDR flieht.

Es ist 1987, sie sind noch keine zwanzig, und das Leben, das für sie eigentlich jetzt beginnt, wird brutal unterbrochen. Die Flucht scheitert an der deutschtschechischen Grenze: Matthias und Susanne werden inhaftiert, Suse bleibt allein zurück. Die Stasi verhört, foltert psychologisch, erzwingt Verrat. Ihre Freundschaft ist zerstört.

Erst sechzehn Jahre später sind die drei bereit, sich wieder zu sehen. So eng sie damals zusammenlebten, so weit haben sie sich inzwischen voneinander entfernt. Matthias, den die Ereignisse von damals nie losgelassen haben, führt als Zeitzeuge Besuchergruppen durch das Gefängnis, in dem er mit Susanne nach ihrem gescheiterten Fluchtversuch inhaftiert war.
Susanne, die mit der eigenen Vergangenheit nie mehr konfrontiert werden wollte, arbeitet als Krankenschwester im Westen Berlins.

Suse lebt als einzige noch immer in Pankow, dem Ost-Berliner Bezirk, in dem die drei ihre gemeinsame Zeit verbrachten – heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern.

Der Film begleitet die drei auf dem Weg zu ihrem Wiedersehen. Sie kehren an die Orte ihrer Vergangenheit zurück. Matthias und Susanne durchstreifen noch einmal den Grenzwald in Tschechien, in dem sie damals von den Grenzsoldaten gefasst wurden. Susanne kehrt in das Gefängnis in Hohenschönhausen zurück und steht auf einmal in ihrer Gefängniszelle von damals. Matthias liest zum ersten Mal den Brief, in dem sein Vater ihm erklärt, dass er seinen Sohn immer unterstützen wird.
Den Brief schickte sein Vater damals nicht ab: Er war in der Partei. Suse steht wieder in dem Hörsaal, aus dem die Stasi sie abholte. Später wurde sie wegen der Flucht ihrer Freunde von der Hochschule geworfen.

Sie merken, wie schmerzhaft die Erinnerung auch nach sechzehn Jahren ist – an die Zeit, als aus Liebe und Freundschaft tiefes Misstrauen wurde.

„Was sagt man bloß in so einem Moment?“, fragt Matthias seine Freundinnen von damals, als sie sich wieder sehen. Die Freundinnen sind inzwischen Fremde geworden. Bis auf jenen Rest in ihrer Vergangenheit, der ihre Leben zusammenhält.

"Don Quijote-Preis" der Fédération Internationale de Cine-Clubs, Berlinale 2005

Dokumentarfilm, 95 min., OmenglU, R. Thorsten Trimpop, Mit: Matthias Melster, Susanne Stochay, Susanne (Suse) Lautenschläger-Leyh