Antikörper

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Vorstellungen vom 28.07.2005 bis zum 24.08.2005.

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An die übliche deutsche Krimikost erinnert in «Antikörper» nur noch der Dorfpolizistenhund mit dem Namen Schimanski. Jungregisseur Christian Alvart probiert sich mit seinem zweiten Film an dem ur-amerikanischen Genre des Serienkillerfilms und bietet zwei phantastische Hauptdarsteller und Hochspannung bis zum Ende. «Antikörper» beginnt beklemmend und mit einem grossen Action-Knall. Zwei alarmierte Polizisten werden von einer alten Frau auf Schreie aus der oberen Wohnung aufmerksam gemacht. Ihr Klopfen wird mit einer Ladung Schrot beantwortet, die neben der halben Türe auch einen der Polizisten mitreisst. Nach dem Eintreffen der Spezialeinheit gerät die Situation vollends ausser Kontrolle. Während der Schiesserei gelingt dem als angeblichen Serienkiller identifizierten Gabriel Engel (André Hennicke) eine atemberaubende Flucht. Doch der gerissene Kommissar Seiler (Heinz Hoenig) steht goldrichtig, buchtet Engel ein und kassiert die Lorbeeren.

Damit fängt «Antikörper» aber erst richtig an und wandelt sich mehr und mehr zum psychologischen Alptraum. Denn durch die Festnahme wird ein alter ungelöster Mordfall wieder aufgerollt: Ein brutaler Mord an einem kleinen Mädchen, der einem kleinen Dorf, seinen Einwohnern und dem Dorfpolizisten Martens (Wotan Wilke Möhring) seither keine Ruhe gelassen hat.

Nach dem sehr dynamischen und actionreichen Beginn ist man bei der ersten Dialogszene schon fast überrascht, dass hier Deutsch gesprochen wird. Sind doch kinotaugliche Thriller aus Deutschland eine Seltenheit. Mutig also, wenn sich ein so junger Regisseur wie Christian Alvart an einen Genrefilm wagt und dabei sogar das Drehbuch selber verfasste.

Neben Alvarts gutem Skript, hat der Film sein Gelingen sicher auch den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. André Hennicke («Der Untergang») spielt den mit kühler Berechnung und unterschwelligem Wahnsinn agierenden Serienkiller Engel so überzeugend, dass es einem immer wieder kalt den Rücken runter läuft. Sein Gegenspieler Martens wird von Wotan Wilke Möhring mit einer unglaublichen Intensität gespielt, ohne dabei jemals an Glaubhaftigkeit einzubüssen.

«Antikörper» ist ein sehr brutaler Film, doch das Grauen spielt sich wie bei den Vorbildern «Seven» oder «The Silence of the Lambs» vor allem in den Köpfen der Zuschauer ab. Die Parallelen zwischen dem Psychopathen Engel und Hannibal Lecter (Anthony Hopkins), die beide ihr dreckiges Psycho-Spiel aus der Gefängniszelle führen, sind nicht zu übersehen - obwohl Engel in einem Anflug von Selbstreflexivität meint, dass er eben kein Hannibal Lecter sei. Doch Alvart hat klug aus dem Fundus der Hollywoodschen Serienkillerfilme geklaut und glücklicherweise genügend eigene gute Ideen in den Film eingebracht.

«Antikörper» wird so zur willkommenen Abwechslung zu seinen unterdessen etwas eingerosteten Hollywood-Vorbildern

Regie/ Drehbuch: Christian Alvart <br> Schauspieler: Wotan Wilke Möhring, Heinz Hoenig, André Hennicke, Ulrike Krumbiegel, Nina Proll, Hauke Diekamp, Laura Alberta Szalski ...