The Children of Men

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Vorstellungen vom 30.11.2006 bis zum 20.12.2006.

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Basierend auf dem Roman von P.D. James zeichnet Regisseur Alfonso Cuaron in "Children of Men" ein düsteres Bild einer Menschheit ohne Kinder.

Children of Men © UIPSelten hat ein Film, der in der Zukunft spielt, so beunruhigend realistisch gewirkt: Vom ersten Bild an ist klar, dass es sich hier nicht um unterhaltsame Science Fiction handelt, sondern um eine mit den Mitteln des Dokumentarfilms inszenierte Erlösungsgeschichte in einer ghettoisierten Endzeitgesellschaft des 21. Jahrhunderts. "Children of Men" ist deutlich gegen den Strich des stets gefälligen amerikanischen Mainstreams gebürstet, ein Film, der den Zuschauer mit unglaublicher Wucht packt und in kalten, grauen Einstellungen auf eine Reise durch ein London des Jahres 2027 mitnimmt, das so düster und bedrückend wirkt wie eine Stadt nach einem verheerenden Bombenangriff.

Children of Men" ist das absolute Gegenteil des futuristisch stilisierten Spielberg- oder George-Lucas-Kinos, ein faszinierender Film, der die Zukunft wählt, um in der Gegenwart anzukommen. "Wir hatten nie einen klassischen Science-Fiction-Film im Sinn gehabt", meint der mexikanische Regisseur Alfonso Cuaron, "die Set-Designer überhäuften mich zu Beginn mit wunderschönen Einfällen für supermoderne Geräte und Autos, aber ich musste ihnen sagen: Wir wollen das alles nicht. Ich zeigte ihnen stattdessen Bilder von Kriegs- und Krisengebieten: Ex-Jugoslawien, Irak, Palästina, Somalia. Ich sagte ihnen: So soll dieser Film aussehen! Ich wollte Themen behandeln, die uns unter den Nägeln brennen - Umweltzerstörung, die Schere zwischen Arm und Reich, die zunehmende Gewalt in Städten, Migration."

"Children of Men" erzählt die Geschichte der Menschheit des Jahres 2027. Alle Frauen sind unfruchtbar geworden, seit fast zwei Jahrzehnten wurde kein Kind mehr geboren. Die Welt ist in Terror und Chaos versunken, viele Staaten existieren nicht mehr, nur die Grenzen Englands werden von brutalen Söldnern gegen den Ansturm von Migranten verteidigt. Anarchie herrscht auf den Straßen außerhalb der bewachten Zonen, während der Großteil der Bevölkerung in Apathie verfallen ist. Theo, ein Beamter der Passbehörde, wird von einer Untergrundarmee gekidnappt, der auch seine Ex-Frau angehört. Er soll helfen, ein Mädchen außerhalb des Landes zu schmuggeln, an einen sicheren Platz, denn, was Theo bald herausfindet: Die junge Frau ist schwanger.

Dem mexikanischen Regisseur ist es tatsächlich gelungen, "Children of Men" auf seine Weise zu verwirklichen. Es ist eine seltsame Form extrem aufwendigen Autorenkinos, die Cuaron da zwischen allen Stühlen betreibt, ein Film, den er in ähnlicher Form vermutlich kein zweites Mal wird machen können. Diese Unbedingtheit spricht aus den Bildern, die große Leidenschaft, seine Geschichte genau so zu erzählen, wie er sie erzählt. Dabei geht es in diesem außergewöhnlichen Thriller nicht um Hintergrunddetails einer möglichen Unfruchtbarkeit der menschlichen Rasse, es geht um Stimmungen, wie sie eine Endzeit auslösen kann, und um den entscheidenden Zipfel Hoffnung, der noch bleibt. Das Erlösungsmotiv der Geburt eines Kindes überfrachtet Alfonso Cuaron nicht mit religiösem Sentiment, trotzdem war dieses Motiv bei vielen, die den Film vor ein paar Wochen bei seiner Uraufführung auf den Filmfestspielen von Venedig sahen, umstritten. Das Lager der Kritiker war geteilt. Dabei ist "Children of Men" ohne Zweifel einer der herausragenden Filme dieses Kinojahres.

USA 2006, Min., R: Alfonso Cuarón, Mit: Clive Owen Julianne Moore Chiwetel Ejiofor Sir Michael Caine Claire-Hope Ashitey