Caminantes de la Memoria

Vorstellung am 16.04.2015

Infos

Peru 2014
Sprache(OF): spanisch
Regie: Heeder Soto Quispe
Drehbuch: Heeder Soto Quispe, Zoila Mendoza
Darsteller: Collins Collantes, Faustino Rimachi, Heeder Soto Quispe, Lurgio Gavilán
73 min

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IMDb (english)

Vergangenheitsbewältigung auf peruanisch

Wanderer der Erinnerung

"Am 4. Juni 2014 wurde in Lima ein Museum eingeweiht, das noch gar kein Museum ist. Die neue Gedenkstätte für die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges der 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erhebt sich wuchtig an der Steilküste im Nobelviertel Miraflores. Eine grosse Esplanade bietet einen wunderschönen Ausblick auf den Pazifik; dort finden seit Juni Konzerte und im Auditorium Filmvorführungen statt.
Das Museum selber ist noch nicht eingerichtet – bis heute ist es ein Politikum, wie und welcher Opfer das offizielle Peru gedenken, und wer vielleicht gar als Täter gebrandmarkt werden soll. Dabei hat die offizielle Wahrheitskommission schon vor 11 Jahren festgestellt, wie viele vor allem indigene Bauern und Bäuerinnen dem Gemetzel zwischen Leuchtendem Pfad und der peruanischen Armee zum Opfer gefallen sind: 70.000.

Eine Zahl, die heute den meisten Peruanern wenig sagt, am allerwenigsten den Bewohnern von Miraflores, wo das Museum steht.
Vor vier Jahren hatte BMZ-Minister Dirk Niebel auf einer Peru-Reise den Grundstein für das Museum gelegt – die Bundesrepublik hat das Museum zu Beginn fast vollständig finanziert (der Beschluss dazu stammte noch aus den Amtszeiten der SPD-Ministerin Wieczorek-Zeul). Bis heute deckt der peruanische Staat erst 30 Prozent der Kosten für das Museum – und das, obwohl Peru in Geld schwimmt und viele Regionen ihren neuen Geldsegen aus den Bergbauabgaben gar nicht umsetzen können.
Das geringe Interesse der peruanischen Regierung für die Aufarbeitung des jüngsten Bürgerkrieges ist nur ein Spiegelbild dessen, wie der grösste Teil der peruanischen Gesellschaft statt schmerzhafter Erinnerung lieber Erlösung im neuesten Einkaufszentrum sucht.

Abseits der grossen Politik haben jedoch in den letzten Jahren vermehrt junge peruanische Schriftsteller, Maler und Filmemacher sich mit der Aufarbeitung der jüngsten Gewaltgeschichte ihres Landes beschäftigt." blog taz

Heeder Soto ist Künstler, Ethnologe und Dokumentarfilmer. In seinem Film über die Postkonfliktsituation in Peru lässt er gleichzeitig Betroffene, Menschenrechtsaktivisten und Täter zu Wort kommen. Heute 30-40-jährige Männer (und wenige Frauen), die als Kinder Zeugen der Gewalt wurden, aus ihren Heimatdörfern vertrieben wurden, und als Kinder bereits auf dem schmalen Grad zwischen Täter und Opfer zu balancieren gelernt haben.
Der Film zeigt, dass Aufarbeitung auch bedeutet, den langen Weg zurück ins Heimatdorf zu gehen, den Mut zu haben, alte Stätten erfahrener Gewalt wiederzusuchen, auf der Suche nach Heimat und Versöhnung.

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El largometraje “Caminantes de la memoria” retrata los escenarios de la post violencia en el Perú. Las víctimas, los perpetradores y demás actores, en un escenario aún hostil, empiezan a confrontar sus responsabilidades y memorias dolorosas del conflicto armado interno.

anschl.Gespräch mit dem Filmemacher und weiteren Gästen