Bahn unterm Hammer

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Vorstellungen vom 07.06.2007 bis zum 07.07.2007.

Infos

G8 - Globalisierung

Nach 12 Jahren Bahnreform scheint der Traum einer Verwandlung einer Bürokraten-bahn in ein hocheffektives börsennotiertes Unternehmen für den „Macher“ Helmut Mehdorn nun endlich Wirklichkeit zu werden:

* forcierte Leistung bei fast halbierter Belegschaft

* alle bundesdeutschen Großstadtzentren an modernste ICE –Verbindungen angeschlossen

* mit der Akquisition von Bax Global im globalen Wettbewerb positioniert

* von Jahr zu Jahr steigende Gewinne
Ein Börsengang der Bahn im kommenden Jahr sei damit planmäßig vorbereitet, so der Bahnchef auf der Bilanzpressekonferenz am 31.03.06 in Berlin. Diese „glanzvolle Bilanz“ nimmt der Film „Die Börsenbahn“ zum Ausgangpunkt einiger Nachfragen:

Die Bahnreform hatte ja noch ein paar andere Ziele. Der Schienenverkehr sollte im Verhältnis zum Straßen- und Flugverkehr massiv ausgeweitet werden. Die Bahn sollte auf weniger staatliche Unterstützung angewiesen sein. Sie sollte zu ein dem Kunden zugewandtes Serviceunternehmen werden. Keines dieser Ziele wurde aber nur annähernd erreicht. Im Gegenteil: Die Schiene hat im Verhältnis zur Konkurrenz weiter massiv an Verkehrsanteilen verloren. Aus der Fläche jenseits der Hochgeschwindigkeitsstrecken ist sie fast komplett verschwunden. Und die staatlichen Unterstützungszahlungen haben im vergangenen Jahr eine Rekordhöhe erreicht – ebenso wie die 25,5 Mrd. € Schulden einer DG AG, die mit der Bahnreform 1994 komplett entschuldet worden war. Trotzdem Mehdorns Bahn macht Gewinne. Aber wie? Von den vielen Teilunternehmen der Bahn weist ausgerecht nur die Sparte relevante Gewinne aus, die komplett am Subventionstropf des Staates hängt: der Schienennahverkehr. Neben diesen Subventionen hat der Staat allein in den letzten 10 Jahren fast 100 Mrd. € in die Schieneninfrastruktur der DB investiert. Doch in Mehdorns Bilanz verschwinden diese Milliarden auf rätselhafte Weise. Der Film wird ihnen nachspüren. Physisch ist das sicher kein Problem (Berliner Hbf, Berliner Tunnel u.v.a.). Hintergründe und der Zweck solcher Bilanzkünste sind schon spannender. Rendite vielleicht? Der Beweis der Attraktivität für die Aktie?
Der Film zeigt die zwei Gesichter der Bahn – glitzernde Bahnhofswelten mit First-Class-Service einerseits und verfallene Gleisanlagen, gnadenlos überfüllte Züge und neuwertige Loks und Waggons vor der Schrottpresse andererseits. Vor der Kamera sprechen Unternehmer, deren Städte bzw. Firmen von der Schiene abgehängt wurden. Präsentiert wird der triste Alltag im britischen Schienenverkehr. Präsentiert werden auch die Argumente prominenter Befürworter des Bahnbörsengangs und die Gegenposition von Bahnexperten. Der Film wird die Geschichte und die Hintergründe dieser wohl folgenreichsten Entscheidung der deutschen Bahn beleuchten. Seine Dramaturgie folgt den letzten entscheidenden Schritten und Auseinandersetzungen

Bei all dem richtet der Film stets sein Augenmerk auf die entscheidende Frage: Wird die deutsche Bahn demnächst dem privaten Kapitalmarkt mit seinen Hedgefonds überlassen oder wird eine Bürgerbahn in öffentlichem Eigentum den Interessen von Bahnkunden und Steuerzahlern besser gerecht?

D 2007, 72 Min., R: Herdolor Lorenz und Leslie Franke